Förderverein Vogelsbergluchs e.V.

 

Der Luchs im Vogelsberg

Geschichte des Luchses

Vor der heutigen Rückwanderung wurden die letzten Luchse in Deutschland zwischen 1818 und 1850 getötet. Vorher waren sie selbstverständlicher Bestandteil der Tierwelt in der mitteleuropäischen Landschaft. Bei weitaus geringeren Wildbeständen als heute (besonders beim Rehwild als hauptsächlichem Beutetier in seinem Ernährungsspektrum) wurde er von Jägern und Viehhaltern als lästige Konkurrenz angesehen. Besonders Schafe waren damals Teil seiner Ernährung. In der Folge wurde er noch schärfer verfolgt und schließlich ausgerottet.

Der Luchs ist kein Bewohner oder Indikator für intakte Ökosysteme, unberührte Landschaften oder Wildnis. Er ist vielmehr in der Lage, sich in der Kulturlandschaft zu bewegen und dort gut zu überleben. Die Menschen haben vielfältige und vielschichtige Ansprüche an Natur und Landschaft. Der Luchs stellt nur zwei: ausreichend Beute und Rückzugsmöglichkeit. Er führt in aller Regel ein unauffälliges Leben und versteht es, auf Grund seiner heimlichen Lebensweise hervorragend, menschlichen Kontakten aus dem Weg zu gehen.

Der Lebensraum Vogelsberg

Der alte Vulkangebiet Vogelsberg stellt eine zusammenhängende Fläche von annähernd 2.500 km 2 mit dem großen, kompakten Oberwald und vielfältigen Wiesen-/Heckenstrukturen dar. Für den Luchs gefährliche Trennlinien wie Autobahnen oder Bahnlinien fehlen. Zieht man 30 % als nicht vom Luchs nutzbares Areal ab, verbleibt immer noch eine Fläche von ca. 1.800 km 2.

Damit ist der Vogelsberg nach Meinung von Experten als Lebensraum für eine überlebensfähige und reproduktionsfähige Population geeignet, insbesondere wenn aus angrenzenden Vorkommen, wie z. B. dem Spessart, Taunus oder Nordhessen künftig ein Austausch möglich ist.

Entscheidend für das Überleben eingewanderter Exemplare ist der Bestand an Beutetieren (Maus, Eichhörnchen, Fuchs, Hase, Reh), die in der reich strukturierten Landschaft des Vogelsberges mit den unzähligen Waldrändern reichlich vorkommen. Neben dem Bedarf an ausreichend Beutetieren braucht der Luchs auch Rückzugsmöglichkeiten. Hier bevorzugt er Felsformationen oder kleine Erhebungen im Wald sowie größere Dickungskomplexe: Bestandteile, die im Vogelsberg geradezu ideal vorhanden sind!

Bestehen Gefahren für Mensch und Haustier?

Das Verhältnis zum Menschen ist „höflich“ distanziert. Der Luchs meidet in der Regel, anders als Fuchs, Marder und Waschbär, menschliche Ansiedlungen. Er gilt als sehr scheu und „unsichtbar“. Bei einer Annäherung bleibt der Luchs in der Regel ruhig sitzen. Er flüchtet nur selten Hals über Kopf. Er vertraut auf seine perfekte Tarnung, bleibt bewegungslos und macht keine Geräusche. Auf diese Weise wird er fast immer von uns Menschen übersehen.

Schäden an Nutztieren, dazu zählen insbesondere Schafe und Ziegen, können nicht ausgeschlossen werden. Der Verein setzt sich für eine solide Entschädigung bei eindeutigen Nachweisen ein! Der Luchs hat keine Angst vor Hunden! Wird er angegriffen, so wehrt er sich. Er ist von sich aus nicht aggressiv, verteidigt aber seine Jungen. Bereits aus diesen wenigen Tatsachen ist zu ersehen, dass die vordergründigen Befürchtungen, es könnte zu Einschränkungen und Beeinträchtigungen kommen, nicht gegeben sind. Bei Schäden an Weidetieren muss aber über entsprechende Entschädigungsregelungen nachgedacht werden.

Wer das seltene Glück hat, einen Luchs zu treffen, sollte ruhig bleiben und beobachten. Der Luchs wird wahrscheinlich das Gleiche tun, besonders, wenn er erhöht auf Felsen oder am Steilhang sitzt. Irgendwann wird er sich dann mit einer „katzeneigenen Ignoranz“ trollen. Er ist nicht gefährlich für den Menschen und wird nicht aggressiv.

Luchsnachweise im Vogelsberg

Die in der Tabelle dargestellten Luchsnachweise wurden den jährlich erscheinenden „Luchsberichten“ des Arbeitskreises Hessenluchs entnommen. Sie betreffen den Zeitraum von 1.8.2006 bis 30.4.2017 (Luchsberichte 2007 - 2017).

Die Einstufung der Beobachtungen in definierte Nachweistypen (C1, C2, C3) erfolgte in den Berichten ab 2011. C1 Nachweise sind „harte Fakten“ wie Funde verendeter Luchse, eindeutige Fotobelege oder genetische Nachweise. C2 sind von Sachkundigen bestätigte vom Luchs gerissene Beutetiere, Haare, Kotfunde oder Spuren (Trittsiegel). C3 Beobachtungen sind allgemeine Meldungen, die nicht eindeutig identifiziert werden konnten aber in der Summe und räumlichen Konzentration Hinweise geben.

Insgesamt sind im Vogelsberg in dem 11jährigen Zeitraum 32 Luchsbeobachtungen dokumentiert. Davon entfallen auf die Kategorien C1 - zwei, C2 - zwei und C3 - achtundzwanzig Nachweise. Ab Berichtsbeginn liegt für jedes Jahr mindestens eine Luchsfeststellung vor. Die Anzahl der Nachweise pro Jahr liegt zwischen eins und sechs.

Aber auch schon früher wurden Luchsbeobachtungen dokumentiert. In dem Bericht des Jahres 2011 findet sich der Hinweis auf insgesamt 34 Nachweise für den Vogelsberg seit 1985. Ab 2012 werden in den Berichten 17 Nachweise aufgelistet. Demnach kann man von insgesamt 51 dokumentierten Luchsbeobachtungen seit 1985 ausgehen.

In den Luchsberichten des Arbeitskreises Hessenluchs werden die Nachweise auch kartografisch abgebildet. Relativ viele Beobachtungen sind im Südwesten und Osten des Kreisgebietes dargestellt. Im Oberwald fehlt bisher ein belastbarer Nachweis.

Die Berichte sind frei im Internet zugänglich unter www.luchs-in-hessen.de.

Jahr


Anzahl Nachweise

C1

C2

C3

Bemerkung

2007

6

0

1

5

1x Fährte, 3x Rufe, 1x Sicht

2008

2

0

0

2


2009

2

0

1

1

1x Riss, 1x Sicht

2010

2

0

0

2

1x Ruf, 1x Sicht

2011

3

1

0

2

C1 = Foto

2012

4

0

0

4


2013

2

0

0

2


2014

5

0

0

5


2015

1

0

0

1


2016

4

1

0

3

c1 = Video

2017

1

0

0

1


Gesamt

32

2

2

2